Empirische Studie zum Finanzierungsverhalten von KMU

Eine Studie von CF Advisors in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes hat mittels einer Befragung von rund 100 Unternehmen das Finanzierungsverhalten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) näher analysiert. Die Befragung wurde durch Prof. Dr. Timo Defren verantwortet und kommt zu einigen aufschlussreichen Erkenntnissen für den Mittelstand. So wird aufgrund des restriktiveren Kreditzugangs bei Banken eine breiter aufgestellte Finanzierungsstruktur für KMU an Bedeutung gewinnen, um langfristig über stabiles Kapital zu verfügen und weniger krisenanfällig zu sein. Defizite wurden insbesondere bei Finanzierungsformen wie z.B. Factoring oder Working Capital Management festgestellt. Zudem zeigen viele Unternehmen größere Schwächen im Zusammenhang mit ihrem Liquiditätsmanagement bzw. der Erstellung von Finanz- oder Liquiditätplänen.

Die Studie zeigt, dass die Gewinnthesaurierung und die Finanzierung aus Rückstellungen für viele KMU die zentralen Innenfinanzierungsquellen darstellen. Was die Außenfinanzierung dagegen betrifft, spielt der klassische Kredit durch die Hausbank weiterhin eine wesentliche Rolle im Rahmen des Finanzierungsportfolios. So greifen die meisten Unternehmen auf das langfristige Bankdarlehen und den kurzfristigen Kontokorrentkredit zurück. Aber auch Leasing oder Gesellschafterdarlehen werden genutzt. Typische Ablehnungsgründe bei Kreditanträgen beziehen sich auf unzureichende Sicherheiten, eine schlechte Liquiditäts- und Ertragslage oder eine zu geringe Eigenkapitalquote. Banken beklagen bei Anträgen häufig, dass die Antragsteller nicht in der Lage seien, eine integrierte Unternehmensplanung (aus GuV und Bilanzen) bzw. einen schlüssigen Finanz- oder Liquiditätsplan zu liefern.

Obwohl Factoring (= laufender Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen Factor) in Deutschland hohe Wachstumsraten verzeichnet, nehmen diese Form der Kapitalbeschaffung nur wenige der befragten KMU in Anspruch. Einige Vorteile von Factoring liegen auf der Hand: verbesserte Liquidität, stärkere Unabhängigkeit von Banken, Schutz vor Zahlungsausfällen, erhöhte Eigenkapitalquote durch Bilanzverkürzung oder Kosteneinsparungen durch Entlastung der Debitorenbuchhaltung. Dennoch geben viele Unternehmen an, mit Factoring wenig vertraut zu sein. Ein weiterer Grund für die Nichtnutzung wird in der Höhe der Factoring-Kosten gesehen. Das Kostenmotiv in Kombination mit fehlender Erfahrung zeigt jedoch möglicherweise ein Wahrnehmungsproblem. So verkennen viele KMU, dass Factoring den Kapitalbedarf im Umlaufvermögen senkt und die Kreditwürdigkeit durch eine verbesserte Eigenkapitalquote erhöhen kann, was sich in niedrigeren Zinskosten niederschlagen sollte. Zusätzlich sind die Kostenersparnisse durch die Nutzung von Skonti höher als die anfallenden Factoring-Kosten.

Ein weiteres Defizit deckt die Studie hinsichtlich eines systematischen Working Capital Managements auf. Working Capital misst als Finanzkennzahl den Finanzierungsbedarf zur Abwicklung des operativen Geschäfts. Im Fokus stehen dabei die Bilanzpositionen Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. So geben nur wenige Umfrageteilnehmer an, ihr Working Capital aktiv zu optimieren. Dies ist insofern verwunderlich, da ein aktives Working Capital Management eine schnelle Freisetzung von liquiden Mitteln ermöglicht, durch die Verringerung des Kapitalbedarfs zusätzlich Kapitalkosten reduziert und die Kapitalrentabilität insgesamt steigert. Viele KMU berichten von fehlendem Know-How oder von fehlenden Ressourcen wie Zeit und Personal als Gründe für die Nichtumsetzung von Working Capital-Maßnahmen.

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